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Strategie statt Insellösung: „Präsenzlehre plus“ als Pilot gestartet

Zum 1. September 2015 hat die FOM Hochschule ihre Lehr- und Lernangebote um ein digitales Element erweitert: Über die Lernplattform „Präsenzlehre plus“ können Lehrende und Studierende auf einen Pool von Content-Elementen wie Fallstudien und Podcasts zugreifen, um die Flexibilität des Studiums zu optimieren und noch vielfältigere Lehr- und Lernoptionen zu nutzen. Zunächst beschränkt sich dieses Angebot auf einige ausgewählte Module in drei Bachelor-Studiengängen, 2016 soll es hochschulweit in weitgehend allen Bachelor-Studiengängen zur Verfügung stehen, erklärt Prof. Dr. Sabine Fichtner-Rosada, FOM Prorektorin Lehre.

 Was genau verbirgt sich hinter „Präsenzlehre plus“?

 Prof. Dr. Fichtner-Rosada: „Präsenzlehre plus“ ist ein Teil der FOM Lehr-Strategie, bei der der Online-Campus um eine Lernplattform erweitert und eine mobile Lernumgebung mit vielfältigen Lern- und Lehrmedien entwickelt wird, um bundesweit eine qualitätsgesicherte Umsetzung der FOM Lehre und Transferdidaktik zu unterstützen.

 Für die Studierenden und Lehrenden heißt das…

 Prof. Dr. Fichtner-Rosada: Die Studierenden der FOM Hochschule haben dann die Möglichkeit, auf neue Materialien wie Foliensätze, Videos, Podcasts, Screencasts, Glossare, Quizzes oder Apps ihrer Lehrenden zuzugreifen und sich daraus individuelle Lernunterlagen zur Vor- und Nachbereitung zusammenzustellen. Weiterhin wird größere Transparenz zu den Veranstaltungsinhalten an bestimmten Terminen geschaffen. Das ist beispielsweise dann besonders wertvoll, wenn Studierende aufgrund von beruflichen Terminen nicht an den Präsenzvorlesungen in ihrem Hochschulzentrum teilnehmen können und sich die versäumten Inhalte selbst erarbeiten wollen.

Die Lehrenden der FOM Hochschule erhalten darüber hinaus von ihren Modulleitungen eine idealtypische digitale Lehrverlaufsplanung – inkl. (medien)didaktischer Tipps & Tricks.

 Sie müssen diese Materialien aber nicht nutzen?

 Prof. Dr. Fichtner-Rosada: Wir werden mit „Präsenzlehre plus“ auf gar keinen Fall die Freiheit von Forschung und Lehre einschränken! Wer diese Materialien nicht in seinen Veranstaltungen nutzen möchte, wird andere geeignete Medien finden. Vorrangig aber bleibt stets, die FOM Lehre gemäß der curricularen Vorgaben interessant und nachhaltig zu gestalten und zum kritischen Mitdenken anzuregen. Dabei kann „Präsenzlehre plus“ einen aktiven Beitrag mit modernen Medien liefern und für Studierende mit einer attraktiven, zeitgemäßen Benutzeroberfläche mehr Transparenz und Kommunikationsmöglichkeiten bieten. Damit wird „Präsenzlehre plus“ sowohl für Neu-Einsteiger in die Lehre, die vielleicht noch unsicher sind, wie sie ihre Veranstaltungen aufbauen wollen, als auch für „alte Hasen“, die passende lernzielführende Elemente in ihre Veranstaltungen zusätzlich einbauen, zum Mehrwert.

Woher rührt die Entscheidung, die klassische Präsenzlehre der FOM Hochschule mit einem digitalen Plus zu versehen?

 Prof. Dr. Fichtner-Rosada: Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wollen wir – als die Hochschule für Berufstätige – Lernorte und Lernzeiten weiter flexibilisieren, um immer mehr Menschen ein Bachelor- oder Master-Studium neben Job oder Ausbildung zu ermöglichen. Zum anderen möchten wir durch „Präsenzlehre plus“ – zumindest implizit – die Medienkompetenz unserer Studierenden optimieren. Sie sollen lernen, verantwortungsvoll mit neuen Medien umzugehen und zu arbeiten. Last but not least hat sich auch das Lernverhalten vieler Studierender geändert: Sie möchten sich Inhalte über ihre mobilen Endgeräte und zu dem Zeitpunkt erarbeiten, der ihnen am besten passt.

Das ändert aber nichts am Gesamtkonzept der FOM Hochschule: Der Vorteil der FOM sind und bleiben die Präsenzveranstaltungen an unseren 31 Hochschulzentren: Sie gewährleisten den persönlichen Kontakt zu Lehrenden und KommilitonInnen. Auf diese Weise können die Studierenden Problemstellungen direkt im Anschluss oder auch während der Vorlesungen diskutieren, sich über ihre eigenen beruflichen Erfahrungen austauschen und dadurch das Gelernte optimal in die Praxis übertragen. Darüber hinaus trainieren sie im Präsenzstudium Fähigkeiten, die im Berufsleben gefragt sind – von der Präsentationskompetenz über die konstruktive Auseinandersetzung mit anderen bis zum Selbstmanagement.

Trotzdem stellt „Präsenzlehre plus“ auch neue Anforderungen an die Lehrenden der FOM Hochschule. Wie sind sie darauf vorbereitet worden?

 Prof. Dr. Fichtner-Rosada: Die Lehrenden, die an der aktuellen Pilotphase von „Präsenzlehre plus“ beteiligt sind, sind umfassend begleitet worden – sowohl durch den Rektoratsbeauftragten für dieses Projekt, Prof. Dr. Uwe Kern, als auch durch das KompetenzCentrum für Didaktik in der Hochschullehre für Berufstätige und die Abteilung Medienentwicklung – und zwar in Form von Workshops, Tutorials und einer Telefonhotline. Diese Maßnahmen werden wir vor Beginn des hochschulweiten Starts zum Sommersemester 2016 intensivieren und ausbauen. Geplant ist u.a. die Einrichtung eines „Präsenzlehre plus“-Büros während der Dozententage im Frühjahr 2016.

Dieses Vorgehen soll auch gewährleisten, dass „Präsenzlehre plus“ hochschulweit und nachhaltig implementiert wird. Wir wollen keine Insellösung, sondern eine strukturell-strategische Verankerung digitaler Lehr- und Lernformate. Deshalb suchen wir auch verstärkt den wissenschaftlichen Austausch mit anderen Hochschulen – zum Beispiel im Rahmen der 13. E-Learning Fachtagung Informatik der Fachgruppe E-Learning der Gesellschaft für Informatik e.V., kurz: DeLFI. Dort hat Anne Steinert, Referentin des Prorektorats Lehre, unseren Ansatz vorgestellt und sowohl viel positives Feedback als auch die ein oder andere neue Anregung bekommen.

Wie geht es jetzt konkret weiter mit „Präsenzlehre plus“?

 Prof. Dr. Fichtner-Rosada: Im Oktober werden wir die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen aus der Pilotphase evaluieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden wir umsetzen – und dann wird „Präsenzlehre plus“ in den ersten Semestern weitgehend aller FOM Bachelor-Studiengänge ausgerollt.